

Karriere-Lektionen
Folge 1
Der demografische Wandel auf Inhaber- und Gesellschafterebene führt 2026 zu einer weiter steigenden Zahl von Unternehmensnachfolgen. Für erfahrene Führungskräfte ergeben sich daraus Chancen, zugleich steigen jedoch die Anforderungen an unternehmerische Kompetenz deutlich. Diese Karriere-Lektion ordnet ein, in welchen Branchen der Nachfolgedruck besonders hoch ist und warum nicht jede Führungskraft für eine solche Rolle geeignet ist.
Fabian Hannen: Herzlich willkommen! Hier sind wir wieder zur ersten Folge in diesem Jahr! Kann man eigentlich am 9. Januar noch ein frohes neues Jahr wünschen?!
Dr. Daniel Detambel: Aber klar!
Fabian Hannen: Na, dann machen wir das doch! Ihnen ein frohes neues Jahr, alles Gute…
Dr. Daniel Detambel: … beruflichen Erfolg und viel Glück Zufriedenheit!
Fabian Hannen: Was erwartest Du 2026?
Dr. Daniel Detambel: Ganz viele Wechsel auf Top-Level bzw. die Zahl der Unternehmensnachfolgen wird auch in diesem Jahr auf hohem Niveau bleiben.
Fabian Hannen: Oh! Das ist interessant: In welchen Branchen vor allem?
Dr. Daniel Detambel: Überall da, wo es um unternehmensnahe Dienstleistungen geht. Also Unternehmen, in denen Beratung, Finanz- und Versicherungsleistungen, Immobilien oder technische und wirtschaftliche Services angeboten werden.
Fabian Hannen: Schon in den letzten 4 Jahren entfiel ja fast die Hälfte aller Unternehmensnachfolgen auf solche Unternehmen…
Dr. Daniel Detambel: Genau. Und dieser Trend setzt sich laut Prognosen in den nächsten 4 Jahren fort.
Fabian Hannen: Okay… Welche Branche bzw. welche Unternehmensgruppe folgt auf Platz 2?
Dr. Daniel Detambel: Das produzierende Gewerbe! Rund ein Viertel der erwarteten Nachfolgen entfällt auf Industrieunternehmen, also: Maschinenbau, Automotive-Zulieferer, Elektro- und Metallverarbeitung. In dieser Unternehmensgruppe ist der nicht nur der demografiebedingte Druck – also das Alter der Inhaber - besonders hoch, sondern in diesen Unternehmen ist auch die Notwendig zur Transformation sehr hoch, Stichwort: Digitalisierung oder auch Dekarbonisierung.
Fabian Hannen: Wodurch ja zusätzlicher Bedarf an neuen Top-Führungsteams entsteht. Wer landet beim Thema „anstehende Unternehmensnachfolgen auf Platz 3“? Ich vermute, der Handel?!
Dr. Daniel Detambel: Völlig richtig. Viele Groß- und Einzelhandelsunternehmen, die ja sehr häufig eigentümergeführt sind, werden in diesem und dem nächsten Jahr neue Inhaber bekommen und das in Zeiten, in denen es Kostendruck, Konsumflaute und Online-Wettbewerb nötig machen, dass die Nachfolger in der Notwendigkeit stehen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, Omnichannel bzw. weiter voranzutreiben oder auch schlicht zu konsolidieren.
Fabian Hannen: Das heißt: Branchenübergreifend kann man sagen: Eigentümergeführte Mittelständler, bei denen Unternehmensnachfolge und Top-Management-Wechsel praktisch deckungsgleich sind, sind besonders betroffen. Was können wir daraus lernen?
Dr. Daniel Detambel: Na ja… Wenn Inhaber sich verabschieden, braucht es Nachfolger. Das heißt: Hier sehe ich jede Menge Chancen, denn es gibt einen riesigen Markt für Executive- und Nachfolgebesetzungen.
Fabian Hannen: Wenn ich mich jetzt für die Nachfolge in einem solchen Unternehmen interessiere: Wie komme ich dran? Denn ich vermute mal, Nachfolger sucht ein Unternehmen nicht öffentlich?
Dr. Daniel Detambel: Völlig richtig. Es gibt zwar Nachfolgeplattformen, zum Beispiel Nexxt-Change.org, die ja vom Wirtschaftsministerium und der KFW betrieben wird, aber die richtig guten Unternehmen gehen unter der Hand weg.
Fabian Hannen: Was können denn Indikatoren sein, die mir Hinweise geben, dass da bald eine Nachfolge ansteht?
Dr. Daniel Detambel: Na, zum Beispiel das Alter der Führungskraft. Wenn der Inhaber über 60 wird, steht das Thema bald an. Man kann sich natürlich auch anschauen, wie lange ist jemand bereits in der Position, oder wie sieht die Eigentümerdemografie aus, gibt es Familienmitglieder, die nachrücken könnten, oder gibt Anzeichen, dass sich das Unternehmen strategisch oder vom Portfolio her neu ausrichtet.
Fabian Hannen: Ich merke schon: Nicht einfach, aber wenn man fleißig die Unternehmen scannt, hat man durchaus Chancen. Würdest Du einem Top-Manager denn raten, sich für solche Unternehmensnachfolgen ins Spiel zu bringen?
Dr. Daniel Detambel: In den meisten Fällen „Nein“. Denn es geht ja nicht darum, ob man sich das zutraut und Lust darauf hat, sondern auch, ob man das wirklich kann. Nur mal als Beispiel: Wenn jemand sein Leben lang in einem Konzern als Bereichsvorstand Technik tätig war, und jetzt darüber nachdenkt in einem 100 Mann-Unternehmen Allein-Geschäftsführer zu werden, dann lohnt es sicherlich, sehr gut nachzudenken…
Fabian Hannen: Kurzum: Man muss den Einzelfall bewerten. Festhalten können wir aber, denke ich, auf jeden Fall: Die Zahl der Unternehmen, in denen ein Nachfolger gesucht wird, steigt in diesem Jahr weiter an und wer unternehmerisch tätig werden will und die entsprechenden Voraussetzungen mitbringt, hat zunehmend gute Chancen.
Dr. Daniel Detambel: Genau so ist.
Fabian Hannen: Soweit für heute … Einen Überblick über die wichtigsten Veränderungen auf Top-Level, die in den letzten Tagen bekannt wurden, finden Sie wie immer in unserem kostenlosen Informationsdienst Personalia. Einfach anmelden über unser Internetseite.
Dr. Daniel Detambel: Dann freuen wir uns auf nächste Woche und danken fürs Zuschauen!
Fabian Hannen: Tschüss und bis bald…
Die Zahl der Unternehmensnachfolgen auf Top-Level bleibt 2026 hoch und steigt weiter an. Ursache ist vor allem das zunehmende Alter vieler Inhaberinnen und Inhaber, insbesondere im deutschen Mittelstand.
Ein Schwerpunkt liegt bei unternehmensnahen Dienstleistungen wie Beratung, Finanz- und Versicherungsleistungen, Immobilien sowie technischen und wirtschaftlichen Services. Danach folgen das produzierende Gewerbe (u. a. Maschinenbau, Automotive-Zulieferer, Elektro- und Metallverarbeitung) sowie der Handel.
Nicht jede erfahrene Führungskraft ist automatisch für eine Unternehmensnachfolge geeignet. Der Wechsel von einer spezialisierten Konzernrolle in eine unternehmerische Gesamtverantwortung erfordert Fähigkeiten, die über klassische Managementerfahrung hinausgehen.