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Karriere-Lektionen

Folge 6

Veröffentlichung:
13.02.2026

Aufsichtsrat werden: Warum Bewerbungen fast nie funktionieren

Der Fall BayWa zeigt exemplarisch, wie Aufsichtsratsmandate in der Praxis entstehen: nicht über formale Bewerbungen, sondern über Vertrauen, Reputation und gezielte Positionierung im relevanten Entscheiderkreis. Für Top-Führungskräfte bedeutet das: Wer in ein Gremium will, muss frühzeitig sichtbar werden – als fachliche Autorität und als verlässliche Persönlichkeit im strategischen Umfeld. Diese Karriere-Lektion erklärt, warum klassische Bewerbungen auf Aufsichtsratsmandate ins Leere laufen und welche Weichen heute gestellt werden müssen, um künftig überhaupt für ein Mandat in Betracht zu kommen.

Videotranskript ausklappen

Fabian Hannen: Herzlich willkommen zu unserer Karriere-Lektion am Freitag, dem 13. Februar 2026. Und wir schauen uns heute mal die BayWa AG an bzw. wir widmen uns der Frage, wie schafft man es eigentlich in den Aufsichtsrat.

Dr. Daniel Detambel: Da ist die BayWa in der Tat ein guter Aufhänger für das Thema. Denn gleich drei Mitglieder verlassen ja in den nächsten 3 Monaten den Aufsichtsrat und müssen nachbesetzt werden.

Fabian Hannen: Konkret: Michael Höllerer und Monika Hohlmeier haben ihre Rücktritte zum 31. März 2026 angekündigt; Monique Surges wird ihr Mandat zum 30. Mai 2026 niederlegen. Die Suche läuft schon, oder?

Dr. Daniel Detambel: Ja, ganz klar. Da ist man schon kräftig dabei.

Fabian Hannen: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen? Gibt es so etwas wie ein Anforderungsprofil?

Dr. Daniel Detambel: Na ja…. Offiziell wurde ja verkündet, dass man nach Personen Ausschau hält, die Fachkenntnisse in Landwirtschaft, Bauen & Wohnen, Handel, sowie in den Bereichen Marketing & Vertrieb sowie Digitalisierung & Künstliche Intelligenz mitbringen.

Fabian Hannen: Wer jetzt solche Kenntnisse hat: Macht es Sinn, sich zu bewerben?

Dr. Daniel Detambel: Nein, denn wer sich bewirbt, der hat im Grunde schon verloren.

Fabian Hannen: Warum das denn?

Dr. Daniel Detambel: Für Aufsichtsratsmandate funktioniert die Logik des klassischen Bewerbens praktisch nicht. Sobald man „offiziell“ anklopft, ist man in den Augen vieler schon im falschen Film – eher Bittsteller als gesuchte Vertrauensperson.

Dr. Daniel Detambel: Aufsichtsräte sind Macht, Vertrauens und Risikoentscheidungen. Da fragt keiner: „Wer hat das schönste Anschreiben?“, sondern: „Wem vertraue ich mein Unternehmen, meine Reputation, meine Haftung an?“ Und wer sich aktiv „bewerbt“, sendet oft unbewusst das Signal: „Ich will den Titel“ – statt: „Ich werde gebraucht, um Verantwortung zu tragen.“

Fabian Hannen: Wenn Bewerbung wenig sinnvoll ist: Wie werden Aufsichtsratsmandate denn besetzt?

Dr. Daniel Detambel: Vor allem durch Netzwerke, also persönliche Empfehlungen von Vorständen, Großaktionären, Beiräten oder auch renommierten Beratern. Dabei ist natürlich wichtig, dass man selbst sichtbar ist. Das heißt, man muss als Autorität wahrgenommen werden – durch Vorträge, Publikationen, Gremienarbeit.

Fabian Hannen: Also nicht „Stellenausschreibung – Bewerbung – Vorstellungsgespräch“?

Dr. Daniel Detambel:  Fast nie. Offizielle Ausschreibungen sind eher die Ausnahme oder die formale Hülle. Die eigentliche Entscheidung ist meist schon vorbereitet, bevor irgendetwas öffentlich wird. Man sucht nicht „den besten Bewerber“, sondern „den passenden Kopf“, der in ein Machtgefüge, eine Strategie und eine Kultur passt.

Fabian Hannen: Aber was ist dann die richtige Strategie für Manager, die mittelfristig in Aufsichtsräte wollen?

Dr. Daniel Detambel: Na zum einen: man muss sich klar positionieren. Die eigene Expertise muss klar werden: Welchen Mehr-wert würde man dem Gremium bieten? Zum anderen: Man muss im richtigen Kreis sichtbar werden. Also nicht allgemeine SocialMediaBekanntheit, sondern Präsenz in den Foren, Verbänden, Konferenzen und Publikationen, die von Entscheidungsträgern ernst genommen werden.

Fabian Hannen: Das heißt: Nur dadurch, dass ich mich zum Aufsichtsrat habe zertifizieren lassen, rennt man mir noch lange nicht die Bude ein bzw. überschüttet mich mit Anfragen, ob ich nicht Aufsichtsrat in diesem oder jenem Unternehmen werden will?

Dr. Daniel Detambel: Völlig richtig. Die Zertifizierung an sich bringt erstmal gar nichts. Viel wichtiger ist es, Beziehungen zu Menschen aufbauen, die über solche Mandate mitentscheiden.

Fabian Hannen: Ich fasse mal zusammen: Auf Aufsichtsratsmandate „bewirbt“ man sich nicht, sondern man wird dafür ins Spiel gebracht.

Dr. Daniel Detambel: Genau. Und dass man ins Spiel gebracht wird, dafür muss man oft einige Jahre Vorarbeit leisten und sich ein gewisses Standing bzw. eine Sichtbarkeit zu erarbeiten.

Fabian Hannen: Und wenn Sie jetzt an Ihrer Sichtbarkeit arbeiten wollen: Einige Informationen dazu, wie das geht, haben wir Ihnen auf der Internetseite www.manager-branding.de zusammengestellt.

Dr. Daniel Detambel: Dann hätten wir es doch mal wieder für heute: Danke fürs Zuschauen und ein schönes Wochenende!

Fabian Hannen: Nächsten Freitag sind wir wieder für Sie da! Bis dahin…

Executive Summary – 3 Kernergebnisse:

1) Aufsichtsratsmandate werden nicht vergeben – sie werden vertraulich vorbereitet

Die eigentlichen Entscheidungen fallen in informellen Netzwerken lange vor einer offiziellen Ausschreibung. Formale Prozesse dienen meist nur der nachträglichen Legitimation.

2) Eine aktive Bewerbung sendet im Aufsichtsratskontext das falsche Signal

Wer sich selbst ins Spiel bringt, wirkt nicht wie eine gesuchte Vertrauensperson, sondern wie ein Titelbewerber – und untergräbt damit genau die Logik von Mandaten, die auf Verantwortung, Haftung und persönlichem Vertrauen beruhen.

3) Mandate entstehen aus Positionierung und Sichtbarkeit im richtigen Umfeld

Entscheidend ist nicht allgemeine Bekanntheit, sondern gezielte Präsenz in relevanten Gremien, Fachforen, Verbänden und Publikationen – kombiniert mit einer klaren inhaltlichen Positionierung für den Mehrwert im Aufsichtsrat.

Weitere Informationen liefert Ihnen unser „Ratgeber Aufsichtsratsmandate“, den Sie hier kostenfrei anfordern können.

Themenübersicht:

Wie wird man Aufsichtsrat
Aufsichtsrat ohne Bewerbung
Experten-Positionierung auf C-Level
Manager-Branding
Strategischer Reputationsaufbau für Führungskräfte