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Karriere-Lektionen

Folge 3

Veröffentlichung:
23.01.2026

Der richtige Zeitpunkt für den Jobwechsel liegt vor der Degradierung

Personalentscheidungen auf Top-Level sind selten zufällig und fast nie überraschend. Sie sind Ausdruck strategischer Weichenstellungen, die intern lange vorbereitet werden, nach außen aber oft abrupt sichtbar werden. Die Neuaufstellung der Finanzspitze bei Mobile.de im Kontext eines möglichen Börsengangs verdeutlicht, wie schnell sich Machtverhältnisse verändern können. Für Führungskräfte stellt sich dabei nicht die Frage, ob sich Rollen verschieben, sondern wann man darauf reagieren muss. Diese Karriere-Lektion zeigt, warum Abwarten riskant ist – und weshalb der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt immer vor der Degradierung liegt.

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Fabian Hannen: 23. Januar 2026 – hier sind wieder mit der dritten Ausgabe unserer Karrierelektionen in diesem Jahr.

Dr. Daniel Detambel: Wie schnell das Jahr voranschreitet. Verrückt!

Fabian Hannen: Ja, und kaum hat das Jahr begonnen, steht womöglich einer der größten Börsengänge in Europa an: Mobile.de will wohl an die Börse und hat sich auch schon mit Dirk Schmelzer neue CFO-Expertise an Bord geholt.

Dr. Daniel Detambel: Das stimmt! Am 1. März soll es für ihn losgehen.

Fabian Hannen: Was ist der Hintergrund?

Dr. Daniel Detambel: Dirk Schmelzer soll Mobile.de in die nächste Wachstumsphase führen. Das Unternehmen prüft derzeit in der Tat verschiedene Optionen, um das Wachstum voranzutreiben, darunter unter anderem – Du hast es bereits gesagt, einen Börsengang.

Fabian Hannen: Was ich ja besonders spannend finde: Die bisherige CFO Katja Thieme rückt in die zweite Reihe und bleibt im Unternehmen. Ist das eine gute Idee?  

Dr. Daniel Detambel: Aus meiner Sicht: Klares Nein!  Denn mit der Berufung von Dirk Schmelzer bringt mobile.de ja klar zum Ausdruck, dass man Katja Thieme das, was man da vorhat, nämlich das Unternehmen in die nächste Wachstumsphase zu führen, nicht zutraut.

Fabian Hannen: Nun vermute ich mal, dass die Pläne des Unternehmens für Frau Thieme nicht überraschend kamen. Was hätte Sie aus Deiner Sicht besser machen können und damit gleich verbunden die Frage: Was können alle Top-Manager daraus lernen?

Dr. Daniel Detambel: Früher handeln! Wer merkt, dass er übergangen oder zurückgesetzt wird, dass Veränderungen im Unternehmen anstehen, bei denen einem eher die Unterstützer-Rolle und nicht die Führungsrolle zugewiesen wird, der sollte nicht warten, was passiert, sondern aktiv werden.

Fabian Hannen: Das heißt konkret?

Dr. Daniel Detambel: Na: Wer seine Karriere weiterentwickeln will, muss es machen wie auf einer Party.

Fabian Hannen: Jetzt bin ich aber gespannt?!

Dr. Daniel Detambel: Na das heißt: man muss gehen, wenn es am schönsten ist. Oder karrieretechnisch ausgedrückt: Man muss sich eine neue Position suchen in dem Moment, in dem der eigene Stern am hellsten leuchtet.

Fabian Hannen: Das ist interessant!

Dr. Daniel Detambel: Man muss sehen: Katja Thieme hat ja das Unternehmen durch mehrere Transformationsphasen gut begleitet, sie ist seit 2008 im Unternehmen, seit 2021 CFO: Sie hat ja wirklich was vorzuweisen. Aber jetzt: Die Berufung von Dirk Schmelzer ramponiert für alle sichtbar ihr Image, denn diese Berufung macht eben deutlich, wie viel man Katja Thieme zutraut oder eben auch nicht.

Fabian Hannen: Das heißt: Du sagst: Spätestens bei den ersten Anzeichen, dass das Unternehmen sie nicht mehr an erster Stelle sieht, hätte sie reagieren müssen.

Dr. Daniel Detambel: Ja. Neues Netzwerk knüpfen, externe Gespräche führen, den Markt sondieren.

Fabian Hannen: Vielleicht hat sie das ja bereits getan?

Dr. Daniel Detambel: Das könnte sein, ich vermute es sogar und ich vermute, dass andere das auch vermuten. Und diese Vermutungen, die machen ja alles jetzt noch schlimmer. Die schaden ihrer Reputation noch mehr, weil jetzt alle, die diese Vermutungen anstellen, zu dem Schluss kommen, dass es vermutlich außerhalb des Unternehmen keine passsenden Angebote gab.

Fabian Hannen: Obwohl man ja gar nicht weiß, ob sie das wirklich getan hat.

Dr. Daniel Detambel: Das stimmt, ist aber eben auch egal.

Fabian Hannen: Wohl wahr. Kurzum: Man darf den richtigen Zeitpunkt nicht verlassen, sich neu zu orientieren.

Dr. Daniel Detambel: Genau. Und der richtige Zeitpunkt ist immer vor der Degradierung.

Fabian Hannen: Völlig klar. Wer erst handelt, wenn der Titel weg ist, ist zu spät dran. Der Markt reagiert sensibel auf Signale.

Dr. Daniel Detambel: Wenn man selbst noch CFO ist und wechselt – wirkt das souverän. Wenn man aber aus der zweiten Reihe sucht, strahlt das Schwäche aus.

Fabian Hannen: Ich vermute: das gilt auch für andere Executives?

Dr. Daniel Detambel: Für alle! Die Lektion für jede Führungskraft lautet: Erkenne früh, wann dein Einfluss schwindet – und geh, bevor du gegangen oder in die zweite Reihe verschoben wirst. Sichtbare Veränderungen an der Spitze sind keine Überraschung, sie haben immer eine Vorgeschichte. Wer sie übersieht, zahlt später mit Relevanzverlust.

Fabian Hannen: Ein klarer Weckruf also: Nicht warten, reagieren.

Dr. Daniel Detambel: Ganz genau. Karriere auf Top-Level bedeutet, den eigenen Abgang zu gestalten, bevor jemand anders ihn plant.

Fabian Hannen:  Klarer kann man’s kaum sagen. Und daher lasse ich das genau so stehen.
Einen Überblick über die wichtigsten Veränderungen auf Top-Level, die in den letzten Tagen bekannt wurden, finden Sie wie immer in unserem kostenlosen Informationsdienst Personalia. Einfach anmelden über unser Internetseite.

Dr. Daniel Detambel: Dann freuen wir uns auf nächste Woche und danken fürs Zuschauen!

Fabian Hannen: Tschüss und bis bald…

Executive Summary – 3 Kernergebnisse:

1) Einflussverlust ist ein Warnsignal, kein Übergangszustand

Wer merkt, dass strategische Verantwortung verlagert oder relativiert wird, sollte das nicht als temporäre Phase interpretieren, sondern als klares Signal für veränderte Machtverhältnisse.

2) Der Markt bewertet Positionen – nicht Vergangenheitsleistungen

Ein Wechsel aus der ersten Reihe wirkt souverän und selbstbestimmt. Wer erst aus einer Unterstützer- oder zweiten Führungsrolle heraus sucht, verliert an wahrgenommener Relevanz – unabhängig vom eigenen Track Record.

3) Karriereführung bedeutet, den eigenen Abgang aktiv zu gestalten

Auf Top-Level entscheidet nicht nur, wohin man geht, sondern wann. Wer zu lange wartet, überlässt anderen die Deutungshoheit über die eigene Rolle und riskiert nachhaltigen Reputationsschaden.

Themenübersicht:

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