

Karriere-Lektionen
Folge 12
Der angekündigte Führungswechsel bei der HORNBACH Management AG wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische Nachfolgeregelung: Albrecht Hornbach übergibt vertragsgemäß den Vorstandsvorsitz an Erich Harsch, gleichzeitig rücken mit Jan und Nils Hornbach zwei Vertreter der Unternehmerfamilie in den Vorstand auf. Doch die Entscheidung ist strategisch deutlich relevanter, als sie zunächst erscheint. Sie zeigt, wie moderne Familienunternehmen Führung neu denken: nicht als Entweder-oder zwischen Familie und externem Management, sondern als bewusst gestalteten Mix. Diese Karriere-Lektion verdeutlicht, warum erfolgreiche Nachfolge lange vor dem eigentlichen Wechsel beginnt – und wie sich Kontinuität und Veränderung gezielt miteinander verbinden lassen.
Fabian Hannen: Willkommen zu unserer heutigen Karrierelektion. Und heute geht’s um HORNBACH. Denn das Unternehmen stellt zum 1. November die Weichen für die nächste Führungsphase. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Albrecht Hornbach hört vertragsgemäß auf und übergibt an Erich Harsch. So gesehen eigentlich nicht spektakulär, oder?
Dr. Daniel Detambel: Da hast Du wohl recht. Auf den ersten Blick sieht das aus wie eine unspektakuläre Nachfolgemeldung. Ebenso übrigens die Meldung, dass der Aufsichtsrat Jan und Nils Hornbach ebenfalls zum 1. November 2026 in den Vorstand der Gesellschaft berufen haben.
Fabian Hannen: Und auf den zweiten Blick…?
Dr. Daniel Detambel: Auf den zweiten Blick ist es ein sehr lehrreiches Beispiel, wie man es richtig macht. Zum einen: planvolle Nachfolge, zum anderen: eine klare Botschaft an Markt und Mitarbeitende. Nämlich: Wir verändern uns, ohne unsere Identität zu verlieren.
Fabian Hannen: Erstaunlich fand ich ja: Albrecht Hornbach beendet seine Amtszeit vertragsgemäß und hat frühzeitig erklärt, dass er sein Mandat nicht verlängern will. Das ja gar nicht so selbstverständlich, oder?
Dr. Daniel Detambel: Genau. In vielen Unternehmen wird Nachfolge herausgezögert, bis es kaum noch geht. Hier sehen wir das Gegenteil!
Fabian Hannen: Das heißt, die Karrierelektion in diesem Zusammenhang lautet: Gute Nachfolge beginnt, lange bevor sie akut wird.
Dr. Daniel Detambel: Völlig richtig. Für Top-Führungskräfte heißt das: Wer seine eigene Übergabe aktiv gestaltet, zeigt Souveränität und schafft Vertrauen. Also statt „Ich bleibe, solange ich kann“, hin zu der Botschaft „Ich gehe, wenn es dem Unternehmen am meisten nutzt“.
Fabian Hannen: Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der HORNBACH Management AG, Dr. Feldmann, hat diese Veränderungen ja mit den Worten kommentiert, Kontinuität und Verlässlichkeit seien fundamental für HORNBACH …
Wie passt das zusammen: Kontinuität und Verlässlichkeit auf der einen Seite, auf der anderen Seite werden neue Weichen gestellt…
Dr. Daniel Detambel: Das ist kein Widerspruch, wobei Kontinuität ja oft missverstanden wird als „Alles bleibt, wie es ist“. Hier bedeutet Kontinuität etwas anderes: Die Werte bleiben stabil, die Personen dürfen sich ändern. Man muss ja auch sehen: Erich Harsch ist ja bereits jetzt schon Vorstandsvorsitzender der HORNBACH Baumarkt AG und wird nun auch Chef der Management AG.
Ähnlich Jan und Nils Hornbach. Auch diese beiden sind ja bereits seit 2023 im Baumarkt-Vorstand und rücken jetzt zusätzlich in den Vorstand der Management AG.
Fabian Hannen: Man beruft also keine Fremden aus dem Off, sondern Menschen, die das Geschäft und die Kultur bereits kennen.
Dr. Daniel Detambel: Genau. Und für Top-Führungskräfte – auch außerhalb von Familienunternehmen – steckt hier eine klare Botschaft: Kontinuität entsteht, wenn man Veränderungen auf vertrauten Schultern aufbaut. Und wer Menschen befördert, die das System bereits tragen, erhöht Akzeptanz und Geschwindigkeit in der Umsetzung.
Fabian Hannen: Spannend ist auch die Konstellation: Ein externer Manager, Erich Harsch, wird Vorstandsvorsitzender der Management AG – und gleichzeitig rücken mit Jan und Nils Hornbach zwei Familienmitglieder nach oben. Wie interpretierst Du das?
Dr. Daniel Detambel: Das ist eine sehr moderne Aufstellung für ein Familienunternehmen. Man vereint drei Ebenen: Die Unternehmerfamilie bleibt sichtbar und gestaltend, ein externer Profi an der Spitze sichert Professionalität und ein bestehendes Team sorgt für fachliche Stabilität.
Fabian Hannen: Das heißt: Moderne Familienunternehmen denken nicht mehr in „Familie oder extern“, sondern in „Familie und extern“.
Dr. Daniel Detambel: Das ist ein guter Punkt: Es geht nicht darum, die Familie „um jeden Preis“ ganz oben zu halten, sondern darum, Rollen passgenau zu besetzen. Familienzugehörigkeit ersetzt keine Eignung – und Eignung ersetzt keine Zugehörigkeit. Die Kunst liegt im Mix.
Fabian Hannen: Und was wir ja auch sehen: Zukunftssicherheit entsteht nicht nur durch gute Zahlen, sondern durch den Mut, Verantwortung rechtzeitig neu zu verteilen.
Dr. Daniel Detambel: Genau. Und je früher man beginnt, darüber zu sprechen, desto größer ist der Handlungsspielraum – für das Unternehmen und für die eigene Karriere.
Fabian Hannen: Dann haben wir es doch mal wieder für heute. Wir danken fürs Zuschauen und freuen uns, wenn Sie auch bei unserer nächsten Karrierelektion wieder mit dabei sind.
Dr. Daniel Detambel: Das stimmt, wobei die nächste Folge gibt es erst heute in 14 Tagen, denn nächsten Freitag ist Karfreitag. Feiertag.
Fabian Hannen: Dann können wir ja schon mal schöne Ostern wünschen!
Dr. Daniel Detambel: Das machen wir. In diesem Sinne: Eine gute Zeit!
Der geplante Rückzug von Albrecht Hornbach erfolgt nicht unter Druck, sondern bewusst und frühzeitig. Wer seine eigene Übergabe aktiv gestaltet, signalisiert Souveränität und schafft Vertrauen – bei Aufsichtsrat, Mitarbeitenden und im Markt.
HORNBACH setzt nicht auf externe Brüche, sondern auf bekannte Führungskräfte, die Geschäft und Kultur bereits tragen. Veränderungen werden auf bestehenden Strukturen aufgebaut – das erhöht Akzeptanz und Umsetzungsgeschwindigkeit.
Die neue Struktur verbindet drei Elemente: Unternehmerfamilie, externen CEO und ein eingespieltes Team. Moderne Familienunternehmen denken nicht mehr in „Familie oder extern“, sondern in „Familie und extern“ – entscheidend ist die passgenaue Besetzung der Rollen.