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Karriere-Lektionen

Folge 5

Veröffentlichung:
06.02.2026

Warum der Branchenwechsel auf C-Level selten gelingt

Ein Branchenwechsel gilt für viele Top-Führungskräfte als strategischer Ausweg aus stagnierenden oder kriselnden Märkten. Doch auf C-Level entscheiden nicht Neugier oder Wechselmotivation – sondern das Risikoprofil aus Sicht von Aufsichtsrat und Gesellschaftern. Diese Karriere-Lektion zeigt, warum Branchenwechsel so selten gelingen, wo die Grenze zwischen realem Wechsel und bloßer Etikettenänderung verläuft – und welches Profil notwendig ist, um trotz Branchenfremdheit als sichere Option wahrgenommen zu werden.

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Fabian Hannen: Hier sind wir wieder mit unser Karriere-Lektion am 6. Februar 2026: Schön, dass Sie wieder eingeschaltet haben.

Dr. Daniel Detambel: Herzlich willkommen auch von mir!

Fabian Hannen: Und wir widmen uns heute einem Thema, das viele Top-Manager in diesen Monaten umtreibt. Die Frage nämlich: Wie einfach oder schwierig ist es, wenn man sich beruflich neu orientieren will, die Branche zu wechseln. Was denkst Du?

Dr. Daniel Detambel: Schwierig, aber nicht unmöglich. Wobei ich schon ahne, worauf Du rauswillst…

Fabian Hannen: Genau: Denn in diesen Tagen bekommen wir den Beweis, dass es geht: Die Sportmarke On bestimmt nämlich Frank Sluis zum neuen Finanzchef. Im Mai soll es losgehen. Und Herr Sluis kommt aus dem Bereich Lebensmittel und damit aus einer anderen Branche.

Dr. Daniel Detambel: Das stimmt – aber nur zum Teil: Du hast zwar recht, denn seit 2021 verantwortete er als CFO für Europa und Indonesien die Finanzgeschäfte bei Ahold Delhaize, einem internationalen Lebensmitteleinzelhändler, der allerdings nicht nur Lebensmittel, sondern auch Drogeriewaren und verwandte Produkte stationär vertreibt. Und: Er hatte zuvor auch schon Führungspositionen bei den Konsumgüterherstellern Reckitt Benckiser und Unilever.

Fabian Hannen: Okay, also doch kein radikaler Branchenwechsel.

Dr. Daniel Detambel: Nein, sondern viele Gemeinsamkeiten.

Fabian Hannen: Da will ich mal nachfragen: Ich meine, gerade, wenn die eigene Branche kriselt, träumen doch viele Top-Manager davon, die Branche zu wechseln. Ganz aktuell zum Beispiel wollen doch viele raus aus Automotive und rein in Healthcare oder Tech. Warum ist dieser Schritt auf Top-Level trotzdem so schwierig?

Dr. Daniel Detambel: Weil du auf C-Level nicht mehr nur Fachmann bist, sondern „Risikoversicherung“ für den Aufsichtsrat. Die erwarten maximale Verlässlichkeit – und Branchenkenntnis reduziert aus ihrer Sicht das Risiko.

Fabian Hannen: Was genau meinst du mit „Branchenkenntnis“? Zahlen lesen kannst du als CFO ja überall.

Dr. Daniel Detambel: Stimmt, Bilanzlogik ist universell. Aber: Das Geschäftsmodell, die Margenlogik, die Zyklen, die Regulatorik, die typischen Risiken – all das ist hoch branchenspezifisch. Wenn du das nicht im Schlaf kannst, wirkst du für viele Gremien wie ein Experiment.

Fabian Hannen: Also geht es am Ende um die Lernkurve?

Dr. Daniel Detambel: Exakt. Wenn du als externer CFO die Branche wechselst, hast du eine doppelte Lernkurve: neues Unternehmen und neue Industrie. Die Frage im Auswahlgremium lautet dann: „Warum sollen wir diese zusätzliche Unsicherheit kaufen, wenn es Kandidaten gibt, die die Branche seit 15 Jahren kennen?“

Fabian Hannen: Dennoch sehen wir ja ab und zu erfolgreiche Branchenwechsler. Was machen die anders?

Dr. Daniel Detambel: Die kommen fast nie „nackt“ in die neue Branche. Sie bringen ein starkes Differenzierungsmerkmal mit – zum Beispiel tiefes Capital-Markets-Know-how, Transformations- und M&A-Erfahrung oder nachweisbare Turnaround-Erfolge. Das rechtfertigt das Risiko.

Fabian Hannen: Heißt das im Umkehrschluss: Wenn du als CFO die Branche wechseln willst, musst du dir über deine „Spezialwaffe“ im Klaren sein?

Dr. Daniel Detambel: Genau. Ohne klares Alleinstellungsmerkmal wirkt der Branchenwechsel wie ein persönlicher Wunsch. Mit einem klaren Wertversprechen – „Ich löse euch genau dieses Problem“ – wird aus dem Risiko eine Chance.

Fabian Hannen: Und was wäre ein typischer Fehler, den CFOs in diesem Kontext machen?

Dr. Daniel Detambel: Sie argumentieren zu allgemein: „Ich bin lernfähig, ich bin flexibel.“ Das sagt jeder. Erfolgreich bist du, wenn du sehr konkret zeigst: „Dieses Muster habe ich in meiner alten Branche gelöst – und genau dieses Muster habt ihr hier auch.“

Fabian Hannen: Wenn du es in einem Satz zusammenfassen müsstest?

Dr. Daniel Detambel: Branchenwechsel auf Top-Level sind schwierig, weil Vertrauen und Risikominimierung dominieren – und wenn du die Branche nicht kennst, brauchst du ein so starkes Profil, dass du trotz dieses „Mankos“ die sicherste Option im Raum bist.

Fabian Hannen: Okay. Hätten wir das auch mal geklärt. Über zahlreiche weitere personelle Veränderungen auf Top-Level berichtet auch heute wieder unser kostenloser Informationsdienst Personalia. Wenn Sie ihn noch nicht abonniert haben: Einfach anmelden über unser Internetseite. Er ist kostenlos.

Dr. Daniel Detambel: So bleibt uns, ein schönes Wochenende zu wünschen …

Fabian Hannen: Genau, das machen wir gerne und wenn Sie mögen, sehen wir uns nächste Woche wieder.

Executive Summary – 3 Kernergebnisse:

1) Auf C-Level zählt nicht Kompetenz, sondern Risikominimierung für das Gremium

Top-Manager werden nicht als Fachkräfte eingestellt, sondern als Absicherung gegen unternehmerische Unsicherheit. Fehlende Branchenkenntnis erhöht aus Sicht von Aufsichtsrat und Eigentümern unmittelbar das wahrgenommene Risiko – unabhängig von der individuellen Leistungsbilanz.

2) Der Branchenwechsel scheitert meist an der doppelten Lernkurve

Wer gleichzeitig ein neues Unternehmen und eine neue Industrie lernen muss, wird im Auswahlprozess fast immer gegenüber Kandidaten benachteiligt, die Geschäftsmodell, Margenlogik, Regulatorik und Zyklen der Branche bereits tief verinnerlicht haben.

3) Branchenfremde Kandidaten überzeugen nur mit einem harten Differenzierungsmerkmal

Ein Wechsel gelingt nur dann, wenn ein klarer, nachweisbarer Mehrwert das Branchen-Manko überkompensiert – etwa durch ausgeprägte Transformationserfahrung, M&A-Expertise, Capital-Markets-Kompetenz oder belegte Turnaround-Erfolge. Allgemeine Aussagen wie „lernfähig“ oder „flexibel“ sind auf Top-Level wirkungslos.

Themenübersicht:

Branchenwechsel C-Level
Warum Branchenwechsel scheitern
Branchenwechsel strategisch vorbereiten
Erfolgskriterien für einen Branchenwechsel
Management-News