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Karriere-Lektionen

Folge 22

Veröffentlichung:
03.07.2026

Warum moderne CFOs heute mehr als Zahlen beherrschen müssen

Die Ernennung von Michael Obrowski zum Finanzvorstand der Deutschen Bahn zeigt exemplarisch, wie Top-Positionen heute besetzt werden. Entscheidend ist längst nicht mehr allein klassische Finanzexpertise. Unternehmen suchen Führungspersönlichkeiten, die Finanzsteuerung, Digitalisierung, Transformation und Governance miteinander verbinden. In dieser Karriere-Lektion erläutert Dr. Daniel Detambel, warum sich die Anforderungen an CFOs grundlegend verändert haben, weshalb Aufsichtsräte immer präziser nach passenden Karriereprofilen suchen und welche Chancen Führungskräfte aus dem Mittelstand beim Wechsel in große Konzerne tatsächlich haben. Außerdem geht es um die Frage, welchen Einfluss Diversity-Ziele auf die Besetzung von Vorständen haben und welche Konsequenzen sich daraus für männliche CFOs ergeben.

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Fabian Hannen: Willkommen zu einer neuen Karrierelektion und Ausgangspunkt ist heute eine aktuelle Meldung der Deutschen Bahn: Michael Obrowski, bislang Finanz- und IT-Vorstand bei Volkswagen Nutzfahrzeuge, wird neuer Finanzvorstand der DB und ergänzt damit das komplett neu aufgestellte Vorstandsteam um Evelyn Palla.

Dr. Daniel Detambel: Spannend ist hier weniger die formale Personalie, sondern das Muster dahinter: Der Aufsichtsrat holt einen langjährigen Konzern-Finanzmanager aus der Mobilitätsbranche, der Finanz- und IT-Verantwortung bereits kombiniert hat, denn genau so ist das neue DB-Finanzressort zugeschnitten.

Fabian Hannen: Das stimmt! Das ist ein klassisches Beispiel dafür, wie präzise Anforderungsprofil und Biografie aufeinander gematcht werden.

Dr. Daniel Detambel: Und das ist kein Einzelfall, sondern mittlerweile fast überall, System – zumindest dann, wenn es um die Besetzung von Top-Positionen geht.  Rollen werden immer klarer entlang strategischer Transformationsaufgaben zugeschnitten – und eben nicht mehr entlang traditioneller Silos. Bei Obrowski werden Finanz- und IT-Ressort bewusst unter einem Dach gebündelt, weil die Bahn massive Investitionen, Digitalisierung und Steuerungsfähigkeit gleichzeitig braucht.

Fabian Hannen: Heißt das: Ein „reiner“ Zahlen-CFO ohne Technologie- und Transformationskompetenz wird es künftig schwerer haben?

Dr. Daniel Detambel: Auf jeden Fall! Gerade am Fall Obrowski sehen wir, worauf es ankommt. Denn er verbindet in der Tat – und das sehr sichtbar – komplexe Steuerung, IT-Landschaft und Umsetzungspower in seiner Person. Drei Jahrzehnte Konzernkarriere im In- und Ausland, mehrere Jahre Konzern-Controlling plus kombinierte Finanz- und IT-Verantwortung – das erzählt eine konsistente Story: Dieser Manager kann Großprojekte steuern, Governance sichern und gleichzeitig Veränderung durchsetzen. 

Fabian Hannen: Der Aufsichtsratsvorsitzende spricht ja von Obrowski als einer „Führungspersönlichkeit mit herausragender Expertise als CFO in einem Großkonzern“. Ich bin da etwas gestolpert, denn  - ja mal ganz platt gefragt: Muss man eigentlich schon Konzern-CFO gewesen sein, um Konzern-CFO zu werden? 

Dr. Daniel Detambel: Du meinst bzw. Du fragst, ob nicht auch exzellente Mittelstandsmanager Chancen auf solche Top-Positionen in Konzernen hätten? 

Fabian Hannen: Genau. Denn ich meine: Macht das sooo einen Unterschied ob Mittelstand oder Konzern? 

Dr. Daniel Detambel: Ja und nein, will ich mal sagen. Keine Frage 2 + 2 ist wohl sowohl im Mittelstand, als auch im Konzert hoffentlich 4, IFRS, HGB und auch M&A-Themen hat man wohl auch sowohl im gehobenen Mittelstand als auch im Konzern, dennoch sind die Welten unterschiedlich. 

Fabian Hannen: Also: Im Konzern hat man mehr Abstimmungsbedarf, mehr Politik, komplexere Strukturen…. 

Dr. Daniel Detambel: Durchaus. Aber ich will mal so sagen: Ein Konzern ist ja per definitionem ein Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden. Alles darunter ist Mittelstand. Und: Ja, ein Top-Manager, der bisher in einem 8.000 Mitarbeiter-Unternehmen in Verantwortung war, dem traut man sicherlich auch eine Aufgabe in einem 12.000-Mann Unternehmen zu. Aber wenn jemand bisher in einem 3.000 -Mann Unternehmen war und jetzt als Top-Manager in ein Unternehmen mit 20.000 Mitarbeitenden wechseln will, für den sind die Chancen sicherlich nicht besonders gut. 

Fabian Hannen: Was müsste er denn tun, um seine Chancen zu erhöhen? 

Dr. Daniel Detambel: Er müsste Zwischenschritte einlegen. Heißt: Von einem - nur als Beispiel - 3.000 Mitarbeiter umfassenden Unternehmen, in ein Unternehmen mit 5.000 wechseln, dann 8.000 und dann 12.000. Wobei die Zahlen wirklich nur Beispiele sind; ganz so wörtlich darf man das nicht nehmen… 

Fabian Hannen: Lass uns nochmal ganz schnell ein anderes Thema ansprechen: Mich hat überrascht, dass das CFO-Ressort mit einem Mann besetzt wurde… 

Dr. Daniel Detambel: Du meinst, weil immer mehr Unternehmen versuchen, nicht nur HR, sondern auch Finanzen mit Frauen zu besetzen? 

Fabian Hannen: Ja, das ist ja durchaus ein Trend, oder? 

Dr. Daniel Detambel: Stimmt schon und daher lasse ich mich mal zu der Bemerkung hinreißen, dass Herr Obrowski auch nur deswegen – Achtung Wortspiel – zum Zug kommen konnte, weil es bereits 3 Frauen im insgesamt achtköpfigen Vorstand der Deutschen Bahn gibt. 

Fabian Hannen: Was können Top-Führungskräfte bzw. männliche CFOs daraus lernen?

Dr. Daniel Detambel: Wenig, denn am Geschlecht kann man ja erstmal nichts ändern bzw. nur deswegen sein Geschlecht zu ändern, das will ja auch niemand. Vermute ich zumindest mal… Okay … Spaß beiseite. Man kann schon was daraus lernen. Nämlich: Im Mittelstand wird die Quote nicht ganz so hochgehalten, wie in Konzernen, daher – dass muss man einfach feststellen – sind die Chancen für männliche CFOs im Mittelstand sicherlich besser als in Konzern-Vorständen – zumindest dann, wenn die Zahl der weiblichen Vorstände unterrepräsentiert ist. 

Executive Summary – 3 Kernergebnisse:

1) CFOs müssen heute Transformation verantworten

Moderne Finanzvorstände werden nicht mehr ausschließlich aufgrund ihrer Controlling- oder Bilanzkompetenz ausgewählt. Gefragt sind Führungskräfte, die Digitalisierung, IT, Investitionen und strategische Transformation erfolgreich steuern können.

2) Karrierewege müssen zur Zielposition passen

Aufsichtsräte achten zunehmend auf eine konsistente Karriereentwicklung. Wer eine Spitzenposition im Großkonzern anstrebt, sollte häufig über realistische Zwischenschritte wachsen und Erfahrungen in zunehmend komplexeren Unternehmensstrukturen sammeln.

3) Rahmenbedingungen beeinflussen Karrierechancen

Neben fachlicher Qualifikation spielen auch Faktoren wie Unternehmensgröße, Governance-Anforderungen und Diversity-Ziele bei der Besetzung von Vorständen eine wichtige Rolle. Diese Rahmenbedingungen sollten Führungskräfte in ihre langfristige Karriereplanung einbeziehen.

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