

Karriere-Lektionen
Folge 10
Die Ernennung von Lars Kürten zum neuen Deutschlandchef von Aldi Nord wirkt auf den ersten Blick wie eine klassische interne Beförderung. Tatsächlich zeigt die Entscheidung jedoch ein Muster, das für Top-Karrieren typisch ist: Wer in einem strategisch wichtigen und gleichzeitig schwierigen Markt nachweisbare Ergebnisse erzielt, wird intern schnell für größere Aufgaben sichtbar. Kürten hat als Vize-CEO im lange problematischen Frankreich-Geschäft an einer Neupositionierung gearbeitet und Wachstum zurückgebracht. Diese Karriere-Lektion zeigt, warum gerade anspruchsvolle Auslandsmärkte zum Karriereturbo werden können – und weshalb internationale Einsätze vor allem dann wertvoll sind, wenn sie echte Wirkung erzeugen.
Fabian Hannen: Willkommen zu unserer Karriere-Lektion am 13. März 2026. Heute mit einer Personalie, die auf den ersten Blick nach Handels-Insider klingt – und auf den zweiten hochrelevant ist für jede Top-Führungskraft: Aldi Nord bekommt einen neuen Deutschlandchef.
Dr. Daniel Detambel: Das stimmt: Ab April übernimmt Lars Kürten die Verantwortung für das Deutschlandgeschäft des Discounters.
Fabian Hannen: Im Unternehmen gilt er ja als ausgewiesener Einkaufs- und Sortimentsexperte, zuletzt hat er ja als Vize-CEO in Frankreich die Neupositionierung maßgeblich vorangetrieben.
Dr. Daniel Detambel: Und zwar in einem Markt, der lange als Problemfall galt und jetzt wieder wächst. Und genau das ist das aus meiner Sicht das Entscheidende bzw. das Hochrelevante für jede Top-Führungskraft, so wie Du es eben formuliert hast.
Fabian Hannen: Frankreich ist ja der wichtigste Auslandsmarkt von Aldi Nord, hatte dem Unternehmen aber jahrelang Probleme bereitet.
Dr. Daniel Detambel: Genau. Und dass ausgerechnet der Vize-CEO aus Frankreich nun Deutschlandchef wird, ist ein starkes Signal. Heißt: Wer zeigt, dass er in einem herausfordernden Umfeld liefern kann, wird sichtbar für die ganz großen Aufgaben.
Fabian Hannen: Erfolg in einem kritischen Auslandsmarkt ist also quasi ein Turbo für die interne Wahrnehmung und Weiterentwicklung. Was können wir jetzt aus dieser ALDI-Personalie jetzt lernen?
Dr. Daniel Detambel: Jede Menge! Zum einen: Der ‚harte‘ Markt zahlt auf den Lebenslauf ein. Du hast es ja schon gesagt: Frankreich war für Aldi Nord über Jahre ein schwieriger Markt: viel Wettbewerb, niedriger Marktanteil, integrationsbedingte Herausforderungen nach Übernahmen. Wer sich in so ein Umfeld hineinwagt, zeigt Mut – und wer dort nachweisbar bessere Zahlen liefert, wird zum Problemlöser mit Referenz.
Fabian Hannen: Was noch?
Dr. Daniel Detambel: Na, zum zweiten: Internationale Einsätze sind nicht nur Schönwetter-Posten, sondern ein Testfeld für strategische und kulturelle Intelligenz. Lars Kürten hat nicht nur eingekauft, er hat Sortimente im Kontext einer Neupositionierung angepasst und dabei Kunden zurückgewonnen. Das heißt: Er hat gelernt, wie man ein Geschäftsmodell auf einen spezifischen Markt zuschneidet.
Fabian Hannen: Und davon wird sicherlich auch das Deutschlandgeschäft profitieren können, denn auch das Geschäft in Deutschland ist ja hart.
Dr. Daniel Detambel: Völlig richtig. Und – wenn wir beim Thema „Was kann man daraus lernen“ sind: Sicherlich auch noch einen dritten Punkt: Sichtbarkeit entsteht dort, wo Wert geschaffen wird – nicht dort, wo es gemütlich ist. Dass Aldi Nord 2025 vom „besonderen Jahr“ spricht und den größten Marktanteilszuwachs im Lebensmitteleinzelhandel meldet, macht Leistungsträger aus Schlüsselprojekten automatisch interessanter für Top-Jobs.
Fabian Hannen: Es kommt also für Top-Führungskräfte darauf an, im richtigen Moment im richtigen Projekt zu sitzen.
Dr. Daniel Detambel: So ist es. Denn davon hängt ab, ob und wie Karriere weitergeht.
Fabian Hannen: Viele Top-Manager fragen sich ja immer wieder: Lohnt sich ein Auslandsaufenthalt wirklich – oder ist das eher ein ‚nice to have‘ im Lebenslauf? Was denkst Du?
Dr. Daniel Detambel: Lars Kürten ist ein praktisches Beispiel dafür, dass Auslandserfahrung zum Karrieresprungbrett werden kann. Aber man muss sehen: Auslandsaufenthalte sind vor allem dann hilfreich, wenn der Markt strategisch wichtig für das Unternehmen und die Ausgangslage anspruchsvoll ist. Es darf also nicht nur um reine Bestandsverwaltung gehen, sondern um Turnaround, Neupositionierung oder Wachstum gegen starke Konkurrenz.
Fabian Hannen: Würdest Du Top-Manager, denen man anbietet, ins Ausland zu gehen, eher zu- oder abraten?
Dr. Daniel Detambel: Ich würde drei Fragen stellen, bevor man ‚Ja‘ zu einem Auslandseinsatz sagt: Erstens: Ist dieser Markt für meinen Arbeitgeber strategisch relevant – heute oder in drei bis fünf Jahren? Wenn ja, dann erhöht jeder Erfolg dort meine innere Marktmacht. Zweitens: Welche Story kann am Ende daraus werden bzw. welche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung erarbeite ich mir damit? Und drittens: Wo liegen die größten Hebel für sichtbare Ergebnisse?
Fabian Hannen: Das heißt: Wer Ausland nur als „Erlebnisreise“ versteht, verschenkt Potenzial.
Dr. Daniel Detambel: Genau! Und wer Ausland als bewusst gewähltes Spielfeld für Impact sieht, baut damit seinen nächsten Karriereschritt.
Fabian Hannen: Auslandsaufenthalte sind also kein Deko-Element im Lebenslauf, sondern können – richtig gewählt und genutzt – zum Karriereturbo werden.
Dr. Daniel Detambel: Genauso sehe ich das auch. Der Schritt von Lars Kürten an die Spitze des Deutschlandgeschäfts von Aldi Nord ist dafür ein aktuelles und gutes Beispiel.
Fabian Hannen: Am 1. April geht’s für ihn los, wir drücken die Daumen! Für uns wars das für heute, daher danken wir fürs Zuschauen …
Dr. Daniel Detambel: …und freuen uns, wenn Sie nächste Woche wieder mit dabei sind.
Wer in einem herausfordernden Umfeld sichtbar Ergebnisse liefert, wird im Unternehmen als Problemlöser wahrgenommen. Gerade Märkte mit starkem Wettbewerb, strukturellen Problemen oder Transformationsbedarf erzeugen Referenzen, die für größere Führungsaufgaben entscheidend sein können.
Auslandspositionen sind mehr als ein dekoratives Element im Lebenslauf. Sie zeigen, ob eine Führungskraft Geschäftsmodelle an unterschiedliche Märkte anpassen, Kunden zurückgewinnen und strategische Veränderungen in einem anderen kulturellen Umfeld umsetzen kann.
Top-Karrieren entstehen selten in komfortablen Bestandsmärkten. Sichtbarkeit entsteht dort, wo Projekte strategisch relevant sind und messbare Ergebnisse erzielt werden. Wer Ausland bewusst als Spielfeld für Wirkung nutzt, erhöht seine Chancen auf den nächsten Karriereschritt deutlich.