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Karriere-Lektionen

Folge 38

Veröffentlichung:
23.10.2026

Jobwechsel als CEO: Warum Erfolg der beste Zeitpunkt ist

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Jobwechsel als CEO oder Top-Führungskraft? Sebastian Gundel verlässt OBI nach vier Jahren als CEO und übernimmt im Februar 2027 die Führung von Kingfisher. Gleicher Titel, gleiche Branche, aber ein deutlich größerer Verantwortungsbereich. Viele Manager denken erst dann über einen beruflichen Wechsel nach, wenn ihre Position gefährdet ist oder äußere Umstände sie dazu zwingen. Dabei kann gerade der eigene Erfolg den idealen Zeitpunkt für eine berufliche Neuorientierung markieren. Warum Führungskräfte ihre Karriere regelmäßig überprüfen sollten und woran sich ein sinnvoller Karriereschritt erkennen lässt, zeigt diese Karriere-Lektion.

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Fabian Hannen: Sebastian Gundel verlässt OBI nach vier Jahren als CEO und übernimmt im Februar 2027 die Führung von Kingfisher. Gleiche Branche, gleicher Titel, größerer Verantwortungsbereich. Daniel: Was kam Dir in den Kopf, als Du davon erfahren hast?

Dr. Daniel Detambel: Ich dachte mir: Perfekt! Besser geht’s doch gar nicht. Oder ich könnte sagen: Alles richtig gemacht!

Fabian Hannen: Warum das? Bei OBI lief es doch für ihn ganz gut. Und er war ja auch erst vier Jahre in der Position. Sprich: Es gab doch keinen Grund zu wechseln, oder?

Dr. Daniel Detambel: Doch! Es gab einen Grund. Nämlich die Weiterentwicklung seiner Karriere. Aber Du hast völlig recht: Die meisten Manager wechseln nicht, weil sie die eigene Karriere im Blick haben, sondern weil äußere Umstände sie zum Wechsel zwingen.

Fabian Hannen: Das heißt: Man sollte dann wechseln, wenn es man Schönsten ist?

Dr. Daniel Detambel: Na ja … nicht ganz so. Aber Du hast schon recht: Der beste Wechselzeitpunkt ist nicht der Moment, in dem es ungemütlich wird.

Fabian Hannen: Also gehen, solange die Bilanz gut aussieht? Das könnte ein Aufsichtsrat auch als mangelnde Loyalität verstehen.

Dr. Daniel Detambel: Nicht, wenn Leistung, Übergabe und Nachfolge stimmen. Loyalität heißt, Verantwortung ordentlich zu erfüllen. Sie heißt nicht, die eigene Entwicklung auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Wer erst sucht, wenn der Eigentümer zweifelt oder das Mandat endet, muss zunächst seinen Abschied erklären. Wer jedoch rechtzeitig prüft, nämlich bevor man muss, kann über die nächste Aufgabe sprechen. Deshalb sollte die eigene Karriere regelmäßig auf die Agenda, nicht erst bei einer Krise.

Fabian Hannen: Sebastian Gundel war ja erst vier Jahre CEO bei OBI. Das ist ja gar nicht mal soooo lange, oder?

Dr. Daniel Detambel: Stimmt, aber es ist lange genug. Vier Jahre sind durchaus ein überzeugendes Zeitfenster zwischen Ankommen und einem sich Festfahren in der Position.

Fabian Hannen: Was meinst Du mit „Festfahren“?

Dr. Daniel Detambel: Na ja… Wenn man mal ganz nüchtern die Jahre bedenkt: Im ersten Jahr sollte man als CEO versuchen zu verstehen und neu auszurichten. Im zweiten Jahr sollte es darum gehen, die Veränderungen durchzusetzen. Im dritten Jahr kommt es immer darauf an, dass man die Ergebnisse sichtbar macht. Und im vierten Jahr sollte man dann prüfen, ob das Erreichte belastbar ist, ob das das Führungsteam funktioniert und ob es noch eine Aufgabe gibt, die die eigenen Fähigkeiten wirklich erweitert.

Fabian Hannen: Das klingt beinahe wie eine Wechselpflicht nach vier Jahren.

Dr. Daniel Detambel: Die gibt es ausdrücklich nicht. Eine langfristige Transformation kann deutlich mehr Zeit brauchen. Perfekt sind vier Jahre aber immer dann, wenn ein wesentlicher Auftrag erfüllt, die Wirkung nachweisbar und die nächste Aufgabe anspruchsvoller ist.

Fabian Hannen: Das heißt: Das Timing ist ganz entscheidend?!

Dr. Daniel Detambel: Genau so ist. Zu früh gehen kann bedeuten, nur Ankündigungen zu hinterlassen. Zu lange bleiben kann bedeuten, vor allem die eigene Vergangenheit zu verwalten. Entscheidend ist der abgeschlossene Leistungsbogen, nicht das fünfjährige Firmenjubiläum.

Fabian Hannen: Das heißt: Welche Frage sollte man sich als CEO stellen, wenn man prüfen will, ob man bleibt oder sich nach etwas Neuem umschaut?

Dr. Daniel Detambel: Na ja… Man kann sich fragen: „Würde ich dieses Mandat heute noch einmal annehmen?“ Und wenn dann die Antwort nur lautet: „Ich kenne hier alle und werde gut bezahlt“, sollte ein CEO zumindest Alternativen prüfen. Wenn die Antwort hingegen lautet: „Hier beginnt gerade meine wichtigste Aufgabe“, spricht viel fürs Bleiben.

Fabian Hannen: Nun wechselt Sebastian Gundel ja als CEO in eine CEO-Rolle. Also: So gesehen kein Aufstieg, oder doch?

Dr. Daniel Detambel: Man muss sehen: Ein Aufstieg braucht keinen höheren Titel. Bei Kingfisher übernimmt Gundel ein Portfolio unterschiedlicher Handelsmarken und Geschäftsformate; zudem ist der Konzern börsennotiert. Daher – ganz klar: Das erweitert nicht nur die Größe der Aufgabe, sondern auch ihre Anforderungen.

Fabian Hannen: Woran sollte eine Top-Führungskraft den nächsten Schritt dann messen?

Dr. Daniel Detambel: An drei Fragen: Welche neue und wieviel mehr an Verantwortung kommt auf mich zu? Zum zweiten: Welche bislang unbewiesene Fähigkeit muss ich zeigen? Und um einen letzten Punkt zu nennen: Welche weiteren Mandate erschließt mir dieser Schritt für die Zukunft bzw. inwieweit macht mich diese neue Position attraktiver für das, was danach kommen sollte.

Fabian Hannen: Das heißt: Ein größeres Unternehmen allein ist noch keine bessere Karriereentscheidung.

Dr. Daniel Detambel: Völlig richtig. Und – aus meiner Sicht das Wichtigste: Man sollte dann wechseln, wenn das eigene Licht am hellsten strahlt. Man sollte also nicht erst dann über einen Wechsel nachdenken und diesen anstreben, wenn die eigene Position gefährdet ist, die eigene Machtbasis bröckelt oder einen die Umstände dazu zwingen.

Executive Summary – 3 Kernergebnisse:

1) Der beste Zeitpunkt für einen Jobwechsel ist häufig die Phase des größten Erfolgs

Wer erst wechselt, wenn die eigene Position gefährdet ist, gerät unter Zugzwang. Erfolgreiche Führungskräfte können dagegen aus einer Position der Stärke heraus entscheiden. Deshalb sollte die eigene Karriere regelmäßig überprüft werden – nicht erst bei einer Krise.

2) Nicht die Verweildauer, sondern die Ergebnisse entscheiden über den Wechselzeitpunkt

Vier Jahre als CEO können ausreichen, wenn wesentliche Ziele erreicht und Erfolge nachweisbar sind. Wer zu früh geht, hinterlässt möglicherweise nur Ankündigungen. Wer zu lange bleibt, riskiert beruflichen Stillstand. Entscheidend ist der abgeschlossene Leistungsbogen, nicht ein bestimmtes Dienstjubiläum.

3) Ein Karriereschritt braucht keinen höheren Titel, sondern mehr Verantwortung

Der Wechsel von Sebastian Gundel zu Kingfisher zeigt: Auch ein Wechsel von CEO zu CEO kann ein Aufstieg sein. Entscheidend sind zusätzliche Verantwortung, neue Anforderungen und die Frage, welche weiteren Karriereperspektiven sich daraus ergeben.

Themenübersicht:

Jobwechsel als CEO
CEO Karriereplanung
Karriereentwicklung Geschäftsführer
Strategischer Jobwechsel
Jobwechsel Führungskräfte