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Karriere-Lektionen

Folge 19

Veröffentlichung:
12.06.2026

Rüstung als Karrieremarkt: Sollten Führungskräfte jetzt wechseln?

Die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie entwickelt sich zunehmend vom Spezialmarkt zum strategischen Wachstumsfeld etablierter Industriekonzerne. Die Entscheidung von Schaeffler, mit Celia Pelaz eine ausgewiesene Branchenexpertin zur CEO von „Defence & New Space“ zu berufen und gleichzeitig eine eigenständige Tochtergesellschaft für diese Aktivitäten aufzubauen, verdeutlicht diesen Wandel eindrucksvoll. Für Top-Führungskräfte wirft diese Entwicklung gleich mehrere Fragen auf: Welche Karrierechancen entstehen durch die neue Sicherheitsökonomie? Welche Kompetenzen sind in Defence, New Space und sicherheitsnahen Technologien tatsächlich gefragt? Und wie realistisch ist ein Wechsel aus kriselnden Branchen wie Automotive oder Maschinenbau in diese boomenden Zukunftsmärkte? Diese Karriere-Lektion zeigt, warum die Rüstungsindustrie mittlerweile im Zentrum industriepolitischer Strategien angekommen ist und welche Chancen sich für Führungskräfte ergeben, die den Wandel frühzeitig erkennen.

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Fabian Hannen: Heute schauen wir auf eine Personalie, die viel über den Wandel in der Rüstungs- und Raumfahrtindustrie erzählt: Der Automobilzulieferer Schaeffler beruft Celia Pelaz zur CEO „Defence & New Space“ und macht die STech Defence GmbH zur eigenständigen Einheit für Verteidigung und New Space mit Sitz in München. Gleichzeitig erklärt der Vorstand, dass diese Bereiche zu den neuen Wachstumsfeldern gehören und bis 2035 zehn Prozent des Konzernumsatzes außerhalb des Kerngeschäfts tragen sollen. Spannend, oder?

Dr. Daniel Detambel: Auf jeden Fall! Denn das ist ein klassisches Beispiel für die strategische Selbst-Erneuerung eines etablierten Industriekonzerns. Das Geschäft als Automobilzulieferer wird zunehmend schwieriger, also nimmt man eine bestehende Kernkompetenz – hier Produktentwicklung, Fertigung und Industrialisierung – und übersetzt sie in ein neues, sicherheits- und geopolitisch getriebenes Marktumfeld.

Fabian Hannen: Was heißt das konkret für alle Top-Führungskräfte, die bereits in Defence oder Space unterwegs sind?

Dr. Daniel Detambel: Nichts anderes, als dass ihre Industrie im Mainstream der Industriepolitik angekommen ist. Wenn ein traditioneller Zulieferer wie Schäffler mit sechsstelliger Mitarbeiterzahl Defence & New Space als Wachstumsfeld definiert, öffnet das neue Kooperations-, Zuliefer- und Karrierefenster.

Fabian Hannen: Und für Manager aus anderen Branchen, in denen es vielleicht aktuell gerade nicht so gut läuft: Wie hoch sind die Chancen, zukünftig das Geld in der Rüstungsindustrie verdienen zu können?

Dr. Daniel Detambel:  Ein solcher Branchenwechsel, rein in die Rüstungsindustrie, ist grundsätzlich sicherlich möglich, aber nur dann, wenn es gelingt, die eigenen Kompetenzen entsprechend zu übertragen. Und es gibt ein zweites Problem: Die Zahl der Top-Manager, die versuchen, zukünftig in der Rüstungsindustrie heimisch zu werden und die eigene Karriere fortzusetzen, ist sehr groß und damit sinken natürlich die eigenen Chancen.

Fabian Hannen: Weil Automotive und der klassische Maschinenbau aktuell so schwierig geworden ist?

Dr. Daniel Detambel: Ganz genau so ist es. Und das wird sicherlich in den nächsten Monaten und Jahren nicht besser, denn aus meiner Sicht hat die Krise der Automotive-Industrie ihren Höhepunkt noch nicht erreicht.

Fabian Hannen: Mmmh… Nun doch nochmal konkret zurück zu Schäffler. Mit Celia Pelaz holt man sich ja eine sehr ausgewiesene Rüstungsexpertin an die Spitze.

Dr. Daniel Detambel: Ja, und das ist auch nötig. Denn in sicherheits- und geopolitisch sensiblen Märkten führt kein Weg an spezifischer Domain-Exzellenz vorbei. Pelaz bringt mehr als 25 Jahre Erfahrung in Rüstungs- und Raumfahrtindustrie mit – von EADS und Airbus Defence & Space über den Carve-out zu Hensoldt bis hin zur COO-Rolle bei einem führenden Anbieter von Satellitendaten und -aufklärung.

Fabian Hannen: Also: branchenfremder Konzern, aber eine sehr branchentiefe CEO?

Dr. Daniel Detambel: Genau. Und das ist ein Muster, das wir künftig öfter sehen werden: Konzerne mit starker Technologie- und Operations-Basis gehen in Rüstungs- und Sicherheitsmärkte, aber sie professionalisieren sich von Tag eins an über eine Spitze mit tiefer Branchen-Kredibilität.

Fabian Hannen: Für Top-Führungskräfte heißt das…?

DD_ Wenn man in solche Märkte will, reicht ein „Tech-affiner“ Lebenslauf nicht. Man braucht vielmehr entweder eine klare Defence-/Security-Story – oder man positioniert sich bewusst als Brückenbauer zwischen zivilen Technologien und militärischen Anwendungen.

Fabian Hannen: Schaeffler gründet für das Thema eine eigenständige Tochtergesellschaft, statt es „im Konzern zu verstecken“. Welche Rolle spielt diese Strukturentscheidung?

Dr. Daniel Detambel: Auf diese Weise schafft der Konzern klare Verantwortlichkeiten, ermöglicht spezifische Compliance- und Exportkontrollprozesse und gibt dem neuen Geschäftsmodell die Freiheit, andere Kulturen, Partnerschaften und Geschwindigkeiten zu entwickeln als das Kerngeschäft.

Fabian Hannen: Unsere heutigen Überlegungen zusammengefasst: Wie lautet Dein Fazit?

Dr. Daniel Detambel: Wer heute über seine Karriere nachdenkt, sollte Rüstung und sicherheitsnahe Technologien weder romantisieren noch tabuisieren, sondern als nüchternen strategischen Markt lesen. Und wer über den Einstieg nachdenkt, muss sich ganz klar fragen: Welche der eigenen Kompetenzen sind in dieser neuen Sicherheitsökonomie am meisten wert, und wie kann es mir gelingen, frühzeitig – vor allen anderen – den  Zugang zu den Entscheidern in den Unternehmern zu finden.

Executive Summary – 3 Kernergebnisse:

1) Defence & New Space werden zum neuen Karrierezentrum

Was lange als Nischenmarkt galt, entwickelt sich zu einem strategischen Wachstumsfeld großer Industriekonzerne. Defence, New Space, Cyber Security und kritische Infrastrukturen schaffen neue Führungspositionen, Investitionsfelder und Karrierechancen.

2) Branchenwechsel sind möglich – aber nur mit  überzeugender Transfer-Story

Führungskräfte aus Automotive, Maschinenbau oder anderen Industrien können grundsätzlich in die Sicherheitsökonomie wechseln. Erfolgreich wird jedoch nur, wer glaubhaft aufzeigen kann, wie die eigenen Kompetenzen einen konkreten Mehrwert für Defence- und Security-Unternehmen schaffen.

3) Domain-Expertise schlägt allgemeine Managementkompetenz

Die Berufung von Celia Pelaz zeigt ein Muster, das künftig häufiger auftreten dürfte: Unternehmen holen für den Eintritt in sicherheitsrelevante Märkte gezielt Führungskräfte mit tiefer Branchenexpertise an die Spitze. Ein „technologienaher“ Lebenslauf allein reicht oft nicht mehr aus.

Themenübersicht:

Karriere Rüstungsindustrie
Defence Karriere
New Space Karriere
Karriere in der Sicherheitsindustrie
Management-News Schaeffler