

Karriere-Lektionen
Folge 14
Der Wechsel von Uwe Hochgeschurtz vom Automobilhersteller Stellantis zum Mobilitätsdienstleister Sixt wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Branchenwechsel. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Der Schritt folgt keiner linearen Karriere-Logik, sondern einer strategischen Bewegung entlang der Wertschöpfungskette. Hochgeschurtz wechselt nicht nur das Unternehmen, sondern das Geschäftsmodell – vom Hersteller hin zum Mobilitätsanbieter. Diese Karriere-Lektion verdeutlicht, warum Beziehungen zur entscheidenden Karrierewährung werden und weshalb sich Top-Führungskräfte zunehmend entlang von Ökosystemen positionieren sollten.
Fabian Hannen: Willkommen zu unserer heutigen Karrierelektion!
Dr. Daniel Detambel: Tja, hier sind wir wieder: Wie schnell doch eine Woche vergeht!
Fabian Hannen: Das stimmt! Und wir richten heute unsere Aufmerksamkeit auf Uwe Hochgeschurtz. Der frühere Europachef von Stellantis und zuvor CEO bei Opel/Vauxhall, wechselt als Senior Vice President zum Mobilitätsdienstleister Sixt und übernimmt dort die Verantwortung für Österreich und die Schweiz. Spannend! Denn er wechselt ja nicht nur das Unternehmen, sondern auch das Geschäftsmodell.
Dr. Daniel Detambel: Das stimmt: Er wechselt vom Hersteller zum Mobilitätsanbieter.
Fabian Hannen: Nun sagst Du ja immer: So ein Wechsel sei schwierig…. Wie hat er das geschafft? Und zwar in einem Segment, zu dem er bereits beste Beziehung hat.
Dr. Daniel Detambel: Zunächst mal: Ja, solche Wechsel sind schwierig. Aber – und damit beantworte ich Deine Frage: Er hat das geschafft, weil er zu Sixt bereits beste Beziehungen hat. Wir erinnern uns: Als Stellantis-Europachef hatte er den Milliarden-Deal für an die 250.000 Fahrzeuge mit Sixt eingefädelt. Man kannte ihn also bereits – und zwar ziemlich gut!
Fabian Hannen: Uns geht’s ja bei solchen Personalia-Meldungen und die Lektionen, die man aus solchen Wechseln grundsätzlichen lernen können. Was ist die erste Lektion, die Top-Führungskräfte aus diesem Schritt mitnehmen können?
Dr. Daniel Detambel: Die erste Lektion lautet: Beziehungen sind wirklich Gold wert! Hochgeschurtz geht dorthin, wo er bereits als strategischer Partner sichtbar war. Und somit war der Mega-Deal zwischen Stellantis und Sixt nicht nur irgendein Geschäft, sondern auch eine für ihn wichtige Bühne, auf der er Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit demonstrieren konnte.
Fabian Hannen: Das heißt: Jeder große Deal, jede Kooperation ist nicht nur eine P&L-Frage fürs Unternehmen, sondern auch ein Karriere-Baustein für den jeweiligen Manager.
Dr. Daniel Detambel: Genau. Und die Konsequenz für Top-Führungskräfte ist klar: Jede strategische Partnerschaft kann später eine Tür sein, durch die man selbst geht. Wer solche Deals nur als Verhandlungsarena sieht, statt als Beziehungsarchitektur, der verschenkt Optionen.
Fabian Hannen: Interessant finde ich ja auch: Hochgeschurtz wechselt nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Wertschöpfungsstufe – vom OEM zu Mobilitätsdienstleistung. Was steckt dahinter?
Dr. Daniel Detambel: Daraus können wir im Grunde gleich die zweite Karriere-Lektion ableiten. Karriere auf Top-Level wird zunehmend plattform- und systemorientiert, nicht nur markenorientiert. Der Schritt von Stellantis zu Sixt ist ein Schritt entlang der Mobilitätskette – weg vom reinen Produkt, hin zum Service und zur Nutzung.
Fabian Hannen: Für Top-Führungskräfte heißt das…?
Dr. Daniel Detambel: Na ja… Wer sich frühzeitig entlang von Ökosystemen positioniert – etwa von Produktion zu Plattform, von Hardware zu Service – bleibt anschlussfähig, wenn sich Geschäftsmodelle verschieben.
Fabian Hannen: Also weg von „Ich bin Automobilmanager“, hin zu „Ich bin Mobilitätsmanager“.
Dr. Daniel Detambel: Exakt. Top-Führungskräfte sollten sich immer fragen: Bin ich an eine Branche gebunden – oder an ein Problem, das ich löse? Hochgeschurtz bleibt dem Problem treu – effiziente, skalierbare Mobilität – wechselt aber den Ort, an dem er es bearbeitet.
Fabian Hannen: Lass uns noch mal einen Blick auf seine neue Rolle werfen. Er verantwortet zukünftig Österreich und die Schweiz, die Sixt jetzt bewusst bündelt…. Er war ja mal CEO. Ist das jetzt ein Abstieg?
Dr. Daniel Detambel: Ich will mal so sagen: Senior Vice President für zwei Märkte mit rund 50 Standorten, die erstmals zusammengeführt werden: das ist kein Abstellgleis, sondern ein wichtiges Transformationsmandat. Daher – und davor will ich wirklich warnen: Wer als Top-Führungskraft nur auf Titel fixiert ist, übersieht oft die spannendsten Hebelrollen.
Fabian Hannen: Das heißt: Besser ein starkes Mandat mit Gestaltungsspielraum als ein großer Titel ohne echte Hebel.
Dr. Daniel Detambel: Genau. Die Frage an jede Top-Führungskraft lautet: Wo habe ich in den nächsten zehn Jahren die größere strategische Hebelwirkung – in einem nominell höheren Titel oder in einer für ein Unternehmen sehr entscheidenden Rolle?
Fabian Hannen: Zum Schluss noch ein Punkt: Er kommt nach einem unfreiwilligen Abgang zurück – in einer Position, in der er sofort wieder sichtbar ist. Welche Lektion steckt darin?
Dr. Daniel Detambel: Eine ganz entscheidende, nämlich, dass der Umgang mit dem erzwungenen Exit ganz wesentlich die nächste Chance prägt. Hochgeschurtz ist nach seinem Ausscheiden bei Stellantis nicht im Opfermodus öffentlich aufgetreten, sondern blieb über seine bisherigen Leistungen definierbar. Für alle Top-Führungskräfte heißt das: Wer professionell, diskret und konstruktiv seinen Abgang gestaltet, entscheidet mit darüber, ob man von potenziell neuen Arbeitgebern später als Risikofaktor oder als Gewinn gesehen wird.
Fabian Hannen: Dann hätten wir es doch mal wieder. Wir danken fürs Zuschauen …
Dr. Daniel Detambel: ... bis nächste Woche eine gute Zeit!
Der Wechsel gelingt nicht zufällig, sondern basiert auf bestehenden Beziehungen. Große Deals und Partnerschaften sind nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern auch persönliche Sichtbarkeitsplattformen für Führungskräfte.
Top-Führungskräfte wechseln nicht mehr nur zwischen Unternehmen, sondern entlang von Wertschöpfungsstufen. Wer sich an einem Problem statt an einer Branche orientiert, bleibt auch bei veränderten Geschäftsmodellen anschlussfähig.
Nicht jede scheinbar kleinere Position ist ein Rückschritt. Rollen mit hoher Gestaltungskraft und Transformationsverantwortung bieten oft mehr Einfluss als klassische Top-Titel ohne echten Hebel.