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Karriere-Lektionen

Folge 23

Veröffentlichung:
10.07.2026

Kündigungsschutz vor dem Aus? Was Führungskräfte jetzt wissen müssen

Die Bundesregierung diskutiert derzeit eine Lockerung des Kündigungsschutzes für Top-Verdiener ab einem Jahresgehalt von rund 180.000 Euro. Sollte die Reform umgesetzt werden, könnte sie die Spielregeln für Führungskräfte grundlegend verändern. In dieser Karriere-Lektion erklärt Dr. Daniel Detambel, warum künftig nicht mehr arbeitsrechtlicher Schutz, sondern sichtbare Leistung über berufliche Sicherheit entscheidet – und weshalb Top-Manager ihre Karriereplanung, Vertragsverhandlungen und ihren täglichen Mehrwert stärker denn je in den Mittelpunkt stellen sollten.

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Fabian Hannen: Und heute geht es bei uns um DAS Thema, das seit einigen Tagen die Gemüter bewegt: Nämlich den Vorschlag der Regierungskoalition, den Kündigungsschutz für Hochverdiener zu lockern. Gemeint sind dabei Jahresgehälter ab ca. 180.000 Euro – also die typische Top-Management-Ebene.

Daniel: Mal ganz einfach gefragt: Was hältst Du von diesem Vorschlag?

Dr. Daniel Detambel: Na ja, man muss sehen: Das deutsche Arbeitsrecht ist ja recht arbeitnehmerfreundlich. Heißt: Wenn ein Unternehmen eine Top-Führungskraft loswerden will, dann wird das meist richtig teuer. Bedeutet aber auch umgekehrt: Weil viele Top-Manager wissen, dass man sich von ihnen nicht allzu leicht trennen kann, verschanzt sich der eine oder andere durchaus hinter seinem scheinbar unkündbaren Schreibtisch, auch wenn er dort eigentlich nicht mehr richtig hinpasst.

Fabian Hannen: Die Reform soll jetzt Trennungen erleichtern, Fluktuation erhöhen und damit mehr Dynamik in Unternehmen bringen. Was bedeutet für Top-Führungskräfte? Muss wird zukünftig ständig in der Angst leben müssen, gekündigt zu werden?

Dr. Daniel Detambel: Nein, das sehe ich nicht. Denn: Wer sein Geld wert ist und an der richtigen Stelle beste Ergebnisse liefert, der wird auch in Zukunft keine Angst haben müssen. Denn warum sollte ein Manager, der sein Geld wert ist, vom Arbeitgeber an die Luft gesetzt werden?

Fabian Hannen: Das stimmt sicherlich, bedeutet aber auch dann auch im Umkehrschluss: Sicherheit entsteht zukünftig vor allem aus sichtbarer Wertschöpfung, nicht aber aus arbeitsrechtlichen Besitzständen.

Dr. Daniel Detambel: Das hast Du schön und aus meiner Sicht völlig richtig formuliert. Wenn Trennungsprozesse einfacher werden, bleiben vor allem die, deren Leistung sichtbar, quantifizierbar und für das Unternehmen unverzichtbar ist.

Fabian Hannen: Also weg von „Ich bin geschützt“, hin zu „Ich bin wertvoll“?

Dr. Daniel Detambel: Genau. Das, was die Regierung vorhat, ist so gesehen durchaus eine Drohung an all die Top-Führungskräfte, die vergessen haben, wofür die monatlichen Zahlungen kommen: Nämlich für Innovation, unternehmerisches Denken, Gestaltungswille, der Mehrwert schafft. Ohne diesen Mehrwert wird die Luft in Zukunft dünn, so weit oben im Gehaltsgefüge.

Fabian Hannen: Wenn der Kündigungsschutz gelockert wird, wird das vermutlich ja durchaus auch zu mehr Bewegung auf Top-Level führen, oder?

Dr. Daniel Detambel: Ja! Aus vielen Gesprächen, die ich in den letzten Tagen mit Gesellschaftern, Geschäftsführern und Vorständen geführt habe, weiß ich, dass Veränderungen erwartet werden, sollte diese Vorhaben der Bundesregierung umgesetzt werden.

Fabian Hannen: Was meinst Du mit Veränderungen? Was konkret?

Dr. Daniel Detambel: Die Reform hätte sicherlich eine doppelte Wirkung: Sie erleichtert Trennungen und erhöht gleichzeitig den Leistungsdruck, weil Führungskräfte wissen, dass ihr Platz nicht mehr strukturell abgesichert ist.

Fabian Hannen: Der Wegfall des klassischen Kündigungsschutzes dürfte ja auch Vergütung, Abfindungsregelungen und Vertragsgestaltung beeinflussen, oder?

Dr. Daniel Detambel: Völlig klar! Verträge wären in Zukunft weniger Komfortzone und stärker Instrument des persönlichen Risikomanagements.

Fabian Hannen: Was würdest Du Top-Manager raten, wenn es mal soweit kommt?

Dr. Daniel Detambel: Führungskräfte sollten aus meiner Sicht zukünftig noch genauer prüfen, wo sie unterschreiben: Firmenkultur, Machbarkeit der Aufgabe und realistische Erfolgschancen sollten noch mehr zentrale Prüfsteine sein, bevor man einfach unterschreibt.

Fabian Hannen: Was meinst Du damit?

Dr. Daniel Detambel: Wer weiß, dass er täglich seine Leistung liefern muss, um seinen Arbeitsvertrag nicht zu gefährden, sollte, bevor er den konkreten Arbeitsvertrag unterschreibt, prüfen, ob er wirklich die Erwartungen erfüllen kann oder nicht. Denn wenn es zukünftig leichter wird, sich von Top-Führungskräften wieder zu trennen, weil man mit deren Leistung nicht zufrieden ist, muss jeder Top-Manager davon ausgehen, dass er – noch mehr als bisher – jeden Tag sein Gehalt durch seine Leistung rechtfertigen muss.

Fabian Hannen: Noch sind das ja alles nur Pläne und Absichtserklärungen. Aber – nehmen wir mal an, der Kündigungsschutz für alle ab einem Jahreseinkommen von 180.000 EUR wird wirklich gelockert: Was wäre Deine Empfehlung für Top-Manager?

Dr. Daniel Detambel: Ganz klar: Abzuliefern, und zwar jeden Tag. Sprich: Konstant hohe Performance wird dann zur Basisanforderung. Denn nur wer Mehrwert bringt, hat eine langfristige Perspektive. Denn in einer Arbeitswelt mit weniger Schutz und mehr Bewegung werden nicht die formal Geschützten gewinnen, sondern diejenigen, die ihren Mehrwert täglich sichtbar machen.

Executive Summary – 3 Kernergebnisse:

1) Berufliche Sicherheit entsteht künftig durch sichtbare Leistung

Sollte der Kündigungsschutz für Top-Verdiener gelockert werden, wird nicht mehr die arbeitsrechtliche Absicherung im Mittelpunkt stehen. Entscheidend wird vielmehr sein, welchen messbaren Mehrwert eine Führungskraft täglich für das Unternehmen schafft.

2) Die Wahl des Arbeitgebers wird noch wichtiger

Wenn Trennungen einfacher werden, müssen Führungskräfte bereits vor Vertragsabschluss genauer prüfen, ob Unternehmenskultur, Aufgabenstellung und Erfolgserwartungen tatsächlich zu den eigenen Stärken passen.

3) Mehr Bewegung schafft Chancen und Risiken

Eine höhere Fluktuation könnte neue Karrierechancen auf Vorstand- und Geschäftsführungsebene eröffnen. Gleichzeitig steigen Leistungsdruck sowie die Bedeutung einer professionellen Vertragsgestaltung und eines aktiven Karrieremanagements.

Themenübersicht:

Kündigungsschutz Führungskräfte
Kündigungsschutz ab 180.000 Euro
Arbeitsrecht Führungskräfte
Kündigungsschutz-Reform Manager
Karriere Top-Management