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Karriere-Lektionen

Folge 15

Veröffentlichung:
24.04.2026

Karriere mit Verfallsdatum: Wie Top-Manager ihre Rolle überschätzen

Die aktuellen Entlassungswellen im Top-Management wirken auf den ersten Blick wie ein konjunkturelles Phänomen. Tatsächlich markieren sie jedoch einen strukturellen Bruch: Tausende Führungskräfte verlieren ihre Position, während gleichzeitig die Zahl verfügbarer Spitzenrollen sinkt. Der Markt wird enger, selektiver – und vor allem unberechenbarer. Der entscheidende Punkt: Viele Top-Manager interpretieren ihre Rolle weiterhin als stabilen Status, obwohl sie faktisch ein temporäres Mandat ist. Genau hier liegt das Problem. Diese Karriere-Lektion zeigt, warum die Annahme von Sicherheit über Hierarchie heute zum zentralen Karriererisiko wird – und weshalb Führungskräfte beginnen müssen, ihre eigene Marktposition aktiv zu steuern, lange bevor sie dazu gezwungen werden.

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Fabian Hannen: Willkommen zu unserer heutigen Karrierelektion. Und wir sprechen heute mal nicht über eine einzelne Personalie, sondern über sehr viele Personalien bzw. eine klare Bewegung im Markt. Denn: 2025 und im ersten Quartal dieses Jahres haben tausende Manager und Top-Führungskräfte in Deutschland und international ihre Position verloren. So viele, wie schon lange nicht mehr!

Dr. Daniel Detambel: Das stimmt! Ganze Leitungsebenen wurden im Zuge von Restrukturierungen und Kostensenkungsprogrammen abgebaut, teilweise wurden komplette Managementschichten eingezogen oder zusammengelegt.

Fabian Hannen: Und was man ja auch parallel dazu beobachten kann: Die Zahl ausgeschriebener Spitzenpositionen sinkt deutlich, der Markt für Top-Positionen wird zunehmend enger, selektiver und deutlich härter.

Dr. Daniel Detambel: Völlig richtig! Und das ist mehr als eine Konjunkturdelle, das ist ein echter Strukturtest für Top-Führungskräfte. Denn: Titel und Dienstalter reichen eben nicht mehr, um im Spiel zu bleiben. Wer heute im Top-Management unterwegs ist, muss davon ausgehen: Sicherheit über die Hierarchie ist vorbei.

Fabian Hannen: … Und das heißt dann…?

Dr. Daniel Detambel: Na ja… Die erste Lektion für Top-Führungskräfte, die wir daraus ableiten können: Jeder sollte seine eigene Position wie ein Projekt mit Verfallsdatum ansehen – und eben nicht wie einen Status auf Lebenszeit. Denn man muss sehen:  Wer die Endlichkeit seines Mandats akzeptiert, trifft andere Entscheidungen, baut andere Netzwerke auf und denkt konsequenter in Szenarien.

Fabian Hannen: Was heißt das konkret für jemanden, der heute im Vorstand oder in der Geschäftsführung sitzt und diese Entwicklungen wahrnimmt – vielleicht sogar mit einem leichten Unbehagen?

Dr. Daniel Detambel: Es heißt: Karrierevorsorge ist eine operative Führungsaufgabe. Nicht „irgendwann später“, nicht „wenn es ruhiger wird“. Wer wartet, bis der Aufsichtsrat entscheidet, ist zu spät dran. Konkret heißt das: Top-Führungskräfte brauchen immer mehr einen klaren Marktauftritt – auch dann, wenn sie noch im Amt sind.

Fabian Hannen: Klarer Marktauftritt: Was meinst Du damit?

Dr. Daniel Detambel: Es muss sichtbar werden, durch Fachbeiträge, Interviews etc. für welche Themen man im Markt steht– und zwar außerhalb des eigenen Unternehmens.

Fabian Hannen: Also nicht darauf vertrauen, dass der Lebenslauf im Hintergrund schon für sich spricht und die Headhunter „es schon richten werden“?

Dr. Daniel Detambel: Genau. Der Lebenslauf allein reicht im enger werdenden Markt nicht mehr. Entscheidend ist, wie anschlussfähig eine Führungskraft für zukünftige Herausforderungen wirkt. Wichtig ist also, die eigene beruflichen Vergangenheit konsequent in einen Zukunftsnutzen zu formulieren. Wer nur erzählt, was er getan hat, verliert. Wer hingegen aufgrund der bisherigen Erfolge zeigt, welche Probleme er in der nächsten Rolle lösen kann – etwa Transformation, Effizienzprogramme oder Kulturwandel – gewinnt.

Fabian Hannen: Das bedeutet dann aber auch: Man braucht eine prägnante Erzählung, warum die Erfahrung genau jetzt und genau für bestimmte Situationen wertvoll ist.

Dr. Daniel Detambel: Völlig richtig!

Dr. Daniel Detambel: Viele Top-Manager fragen sich ja gerade: „Was kann ich konkret tun, wenn meine Position wackelt – oder schon weg ist – und der Markt gleichzeitig enger wird?“ Was ist Dein Rat?

Dr. Daniel Detambel: Zunächst mal muss man sehen: Ein enger Markt erfordert eine andere Strategie als einfach nur „ich warte auf das nächste Angebot“. Das heißt: Man muss die eigene Jobsuche wie ein strategisches Projekt führen. Konkret: Man muss Zielsegmente definieren, also Branchen, Unternehmensgrößen und Situationen, in denen das eigene Profil Wirkung entfalten kann. Und – ganz wichtig: Schlüsselkontakte systematisch aufbauen und pflegen – weit über den bisherigen Kreis hinaus.

Fabian Hannen: Das heißt: Beziehungen sind wichtig?!

Dr. Daniel Detambel: Das stimmt! Und um solche Beziehungen muss man sich kümmern, bevor man sie braucht. Denn wenn man sich neu orientieren muss – ich habe es bereits gesagt - sollte man auf keinen Fall nur auf Anzeigen hoffen, sondern aktiv mit Headhuntern, Aufsichtsräten, Investoren und strategisch relevanten Entscheidern ins Gespräch kommen. Zentral ist dabei eine klare Story, warum ein Unternehmen ausgerechnet mit der entsprechenden Führungskraft einen Unterschied machen kann.

Fabian Hannen: Das klingt tatsächlich nach einem Paradigmenwechsel: weg vom reaktiven „Ich werde schon angesprochen“ hin zum aktiven Gestalten der eigenen Optionen – während man noch im Mandat ist.

Dr. Daniel Detambel: Exakt. Wer in einem enger werdenden Markt passiv bleibt, delegiert seine Karriere an Zufälle – und an die Agenda anderer. Top-Führung heißt aber: entscheiden statt abwarten, Optionen aufbauen statt Optionen verlieren, auch in eigener Sache. Die Realität ist: Der Markt für Spitzenkräfte ist nicht tot, aber er ist selektiver. Sichtbar, klar positioniert und anschlussfähig sind diejenigen, die die nächste Runde spielen.

Fabian Hannen: Wenn Du unsere heutigen Überlegungen auf einen zugespitzten Satz komprimieren müsstest, wie lautete dieser?

Dr. Daniel Detambel: Wer heute nur sein Unternehmen führt, aber nicht seine eigene Marktposition, wird vom Markt geführt. Die beste Zeit, den nächsten Job vorzubereiten, ist immer: bevor man ihn braucht. Alles andere ist Risiko-Management im Krisenmodus.

Fabian Hannen: Ein gutes Schlusswort, das ich einfach mal so stehen lassen. Somit bleibt nur noch, Danke fürs Zuschauen zu sagen.

Dr. Daniel Detambel: Wenn Sie mögen, sind wir in der nächsten Woche wieder für Sie da!

Fabian Hannen: Bis dahin eine gute Zeit!

Executive Summary – 3 Kernergebnisse:

1) Die größte Fehleinschätzung: Karriere als stabiler Status

Viele Top-Manager agieren, als sei ihre Position strukturell abgesichert. In Realität ist sie ein Mandat auf Zeit. Wer das ignoriert, baut weder Karriereoptionen noch Absicherung auf.

2) Sichtbarkeit ersetzt den Lebenslauf als zentrale Währung

Im enger werdenden Markt reicht es nicht mehr, „gefunden zu werden“. Entscheidend ist, ob klar erkennbar ist, wofür eine Führungskraft steht und welches Problem sie künftig lösen kann.

3) Wer passiv bleibt, verliert die Kontrolle über seine Karriere

Top-Karrieren entstehen nicht mehr nur durch Anschlussfähigkeit, sondern durch aktive Steuerung. Zielmärkte, Netzwerke und Narrative müssen bewusst aufgebaut werden während man noch im Amt ist.

Themenübersicht:

Karriere-Denkfehler
Karriere mit Verfallsdatum
Management-Karriere aktiv steuern
Wettbewerb um Spitzenpositionen
Strategische Karriereplanung Top-Management